Sind Minimalismus und Armut dasselbe?

Das Wort Minimalismus verführt einige dazu zu denken, es sei dasselbe wie Armut. Ist es aber nicht. Nicht im Geringsten. Das Ergebnis mag eventuell dasselbe sein – man hat wenig. Doch der Weg dorthin ist verschieden. Für jeden sieht dieser Weg anders aus.

Heute erzähle ich euch von meinem Weg.

Der Unterschied von Minimalismus und Armut

Zu Beginn müssen wir erst verstehen, was der Unterschied zwischen Minimalimus und Armut ist.

Unter Minimalismus versteht man die bewusste Beschränkung auf ein Minimum, auf das Nötigste.

Wikipedia definiert Armut als einen Mangel im materiellen Sinn, aber auch im weiteren und übertragenen Sinn.
Beim materiellen Mangel steht die mangelnde Befriedigung der Grundbedürfnisse im Mittelpunkt (Nahrung, Wasser, Kleidung, Wohnraum, Gesundheit…)

Ich habe Erfahrungen in beiden Bereichen.

Der Unterschied mag unscheinbar sein, doch er ist essenziell:

Die Entscheidung

Als ich noch in einer Teilzeitanstellung war, merkte ich auf Dauer, dass meine Ausgaben nicht durch meine Einnahmen gedeckt wurden. Ich wollte mehr als ich hatte. Es wurde Zeit für die Notbremse. Merklich rutschte ich in eine kritische Situation, die an Armut grenzt.

Einige Ausgaben lies ich einfach nebenher laufen. Wie z.B. eine zweite Sim-Karte für monatlich 10€. Es waren vielerlei Kleinigkeiten. Einige Zeit hatte ich auch gegen Ende des Monats nicht genug Geld, um mir Essen zu kaufen. Es gab nur Milchreis, Haferflocken und Tee. Eine verrückte Zeit, die mich viel lehrte, die ich aber nicht misse. Sie war eine harte Schule. Sie zeigte mir, welche Bedürfnisse ich erst einmal befriedigen muss, bevor ich überhaupt an andere denken kann.

Bedürfnispyramide nach Maslow
die Bedürfnispyramide nach Maslow

Erst müssen die Defizitbedürfnisse erfüllt werden, bevor wir als Menschen nach höheren streben können.

Das weiß ich, seitdem ich zu einer Anstellung wechselte, in der ich Vollzeit arbeitete. Ich verdiente mehr, meine Bedürfnisse passten sich an, erweiterten sich. Und minimierten sich wieder auf das Nötigste. Diese Minimierungen folgte auf ein Ereignis.

Das Ereignis der Entscheidung

Die Entscheidung, weniger besitzen zu wollen als man braucht, ist ein Luxus, den ich erst in einer Situation machen konnte, in der ich vorher nicht war.

Sie gab mir die finanzielle Freiheit, die ich brauchte, um die Wahl zu treffen. Die Macht der Wahl und der Entscheidung kommt schleichend. Sie war nicht gleich sicht- und spürbar wie eine Wand, die vor einem auftaucht. Die Entscheidungen sind wie Abzweigungen, die man auf der Reise unterbewusst nimmt. Ich entschied mich, fuhr immer weiter fort, bis ich einen Punkt erreichte, der mich innehalten lies.

Seine Bedürfnisse kennt man nicht auf Anhieb. Sie entwickeln und verändern sich ein Leben lang. Dank der Vollzeitanstellung und die Beziehung zu meinem Partner weiß ich ein gutes Stück mehr, wer ich bin und was ich brauche.

Minimalismus wurde mein Freund, mein Begleiter. Ich in zufrieden mit dem, was ich brauche, habe und will. Im hier und jetzt und auch für die Zukunft.

Hin und wieder zurück

Und doch passiert es immer wieder.

Dank der Corona-Pandemie bin ich wieder am Ausgangspunkt. Keine Arbeit, dafür um Erkenntnisse reicher. Durch das Erlebte kenne ich meine aktuellen Bedürfnisse und kann sie im Vergleich zu vorher besser bedienen. Finanziell und in Bezug auf Bedürfnisse ist der Abstecher in die Armut und wieder zurück ein guter Lehrer.

Ich bin wieder am Anfang.

Es ist ein Neustart, nicht nur für mich.

tiffeck…

tiffeck

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